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Berlin.
03. Juni 2026

Neue Studie zu Informatik an Grundschulen: Lehrpläne sind lückenhaft

Wo und wie Informatik in den Lehrplänen deutscher Grundschulen integriert ist, hat die Gesellschaft für Informatik in einer Studie untersucht, die von der der Klaus Tschira Stiftung gefördert wird.

Tablet, Smartphone, Saugroboter: Kinder kommen immer früher in Kontakt mit digitalen Systemen. Umso wichtiger ist es, dass sie früh ein erstes Verständnis für die Funktionsweise der Technologien entwickeln, die sie umgeben. Wo und wie Informatik in den Lehrplänen deutscher Grundschulen integriert ist, hat die Gesellschaft für Informatik e.V. in einer neuen Studie untersucht, die von der der Klaus Tschira Stiftung gefördert wurde: dem Informatik-Monitor Junior. Zentrales Ergebnis: In den Lehrplänen der Bundesländer gibt es starke Unterschiede, was informatische Bildung angeht – in sieben von ihnen spielt das Thema bisher noch gar keine Rolle.

Informatische Bildung ist ein zentraler Faktor, um Kinder und Jugendliche für ein selbstbestimmtes Leben in der zunehmend von Digitalisierung geprägten Welt vorzubereiten. Das hat auch die Kultusministerkonferenz (KMK) erkannt, die bereits 2016 in einem Strategiepapier empfohlen hat, digitale Bildung schon in der Grundschule anzubieten. Trotzdem sind informatische Inhalte in vielen Lehrplänen noch gar nicht verankert. Das zeigt der Informatik-Monitor Junior, der heute erschienen ist. Er wurde von der Gesellschaft für Informatik e.V. herausgegeben und von der Klaus Tschira Stiftung gefördert.

Sieben Bundesländer ohne informatische Bildung an Grundschulen

Das Forschungsteam hat insgesamt 208 offizielle Dokumente wie Fachlehrpläne oder Medienrahmen für Grundschulen aus allen Bundesländern analysiert. Lediglich 38 davon, verteilt auf nur neun Bundesländer, enthielten Kompetenzen oder Inhalte, die sich klar der Informatik zuordnen ließen. Bremen führt den Ländervergleich an, was informatische Bildung an Grundschulen angeht. Aber auch die Lehrpläne von Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen weisen bereits eine vergleichsweise breite Grundlage auf: Sie enthalten punktuell Inhalte, die Kinder an informatische Phänomene heranführen und sie auf die aktive Teilhabe an einer zunehmend digital geprägten Welt vorbereiten. In Grundschullehrplänen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen steht bisher überhaupt keine informatische Bildung in Lehrplänen und Rahmenvorgaben.

Alev Dreger, Programm-Managerin Bildung bei der Klaus Tschira Stiftung: „Obwohl Kinder bereits im Vorschulalter mit informatischen Phänomenen in Berührung kommen, fehlt informatische Bildung in deutschen Grundschullehrplänen noch immer weitgehend – und das trotz klarer Ansagen aus der Bildungspolitik. Was bisher in den Lehrplänen zu finden ist, ist zu vage und bei Weitem nicht ausreichend. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in allen Bundesländern.“

Eve Tessenow, Senior-Referentin der Gesellschaft für Informatik e.V. und Autorin der Studie: „Informatische Bildung braucht einen festen Platz in den Lehrplänen – mit klar definierten Kompetenzschwerpunkten. Ohne verbindliche Verankerung besteht die Gefahr, dass sie ins Randständige abdriftet und schlicht nicht stattfindet. Das wäre ein schwerwiegendes Versäumnis gegenüber Kindern einer Gesellschaft, die zunehmend digital geprägt ist.“

Handlungsempfehlungen

Die Autorinnen und Autoren der Studie haben klare Handlungsempfehlungen formuliert, um Informatik deutschlandweit an Grundschulen zu verankern:

Ausdifferenzieren statt nur ausweiten

Es reicht nicht aus, Anknüpfungspunkte in anderen Fachlehrplänen wie Mathematik zu identifizieren. Lehrpläne und Rahmenkonzepte müssen Kompetenzen dezidiert informatisch ausdifferenzieren – etwa indem sie Fachbegriffe wie Algorithmen, Daten oder Informatiksysteme aufnehmen.

Geeignete Ankerfächer benennen und stärken

Sachunterricht sowie Technik/Werken eignen sich als Ankerfächer für informatische Bildung. Gerade Sachunterricht deckt aber bereits viele Inhalte ab. Daher sollte eine Integration bevorzugt in weitere Fächer geprüft werden, insbesondere Mathematik und – soweit vorhanden – Technik/Werken. Entscheidend ist dabei: Wo Informatik stattfindet, muss sie auch als Informatik sichtbar sein: durch eigene Kennzeichnung, separate Zeichen oder einen eigenständigen Kompetenzschwerpunkt.

Lehrkräfte konsequent aus- und fortbilden

Informatische Kompetenzen lassen sich Grundschülerinnen und Grundschülern nur dann vermitteln, wenn Lehrkräfte selbst über fundierte informatische und informatikdidaktische Kenntnisse verfügen. Gefordert sind systematische Aus- und Fortbildungsangebote auf institutioneller Ebene sowie Rahmenbedingungen, die es Lehrkräften ermöglichen, diese Angebote tatsächlich wahrzunehmen.

Nur durch eine flächendeckende Umsetzung aller drei Handlungsempfehlungen ist es möglich, die strukturelle Lücke zwischen bildungspolitischem Anspruch und schulpraktischer Realität zu schließen.

Die Studie gibt es hier: https://informatik-monitor-junior.gi.de/

 

Kontakt:

Alexandra Resch

Leitung Kommunikation

Gesellschaft für Informatik e. V.

alexandra.resch@gi.de

+49 159 048 628 87

 

Über die Gesellschaft für Informatik

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatikerinnen und Informatiker in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de

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