„Wow! Und damit darf ich arbeiten?“ Der Ausruf einer Schülerin trifft den Kern des Programms SPARK@COS. Begeisterung entsteht nämlich nicht allein durchs Zuschauen und Zuhören. Sie entsteht vor allem dann, wenn junge Menschen selbst ausprobieren dürfen.
Das Programm des Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg bringt Schülerinnen und Schüler mit moderner biowissenschaftlicher Forschung zusammen. Sie experimentieren, lernen Berufe kennen und erfahren, wie der Alltag an einem Forschungsinstitut aussieht. Die Bezeichnung SPARK@COS wurde dafür bewusst gewählt. Steht doch das englische Wort „spark“ für den Funken, der das Feuer entfacht.
Seit 2012 fördert die Klaus Tschira Stiftung das Programm. In diesem Sommer fanden zwei Formate kurz hintereinander statt. Der SPARK@COS Explorer Day richtet sich besonders an Schülerinnen und Schüler von Real-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen und verbindet Wissenschaft mit Berufsorientierung. Denn erfolgreiche Forschung braucht viele unterschiedliche Menschen und Kompetenzen: von technischen Assistentinnen und Assistenten und über Mitarbeitende in Werkstätten, Gärten, Tierpflege und Administration bis hin zu den Forschenden selbst. Sie alle leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Forschungsalltag.
Beim SPARK@COS Practical tauchen Oberstufenschülerinnen und -schüler zwei Wochen lang tiefer in die Entwicklungsbiologie ein. Sie arbeiten an eigenen wissenschaftlichen Projekten und erleben dabei unmittelbar, wie Forschung im Labor funktioniert. Beide Formate zeigen auf unterschiedliche Weise, was passiert, wenn Jugendliche Wissenschaft nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst erleben.
Wenn Wissen sichtbar wird
Besonders eindrucksvoll wird Forschung, wenn aus Theorie Anschauung wird. Im Practical untersuchen die Jugendlichen beispielsweise Gene, die an der Muskelentwicklung von Fruchtfliegen beteiligt sind. Im Mikroskop sehen sie Zellen und Gewebe, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.
Beim Explorer Day betrachtet eine Schülerin das grün leuchtende, schlagende Herz eines Embryos des Japanischen Reisfischs und sagt spontan: „Jetzt weiß ich, was ich machen möchte!“ Doch die Jugendlichen schauen nicht nur zu. Sie mikroskopieren, untersuchen Nematoden, pikieren Pflanzensetzlinge oder machen eigene Experimente. Aus dem staunenden „Darf ich das?“ wird ein selbstbewusstes „Ich kann das.“
Auch Scheitern gehört dazu
SPARK@COS zeigt aber auch den weniger spektakulären Forschungsalltag: Proben vorbereiten, Material reinigen, warten. Und Experimente, die anders verlaufen als geplant. Gerade daraus entstehen neue Fragen: Was ist passiert? Woran könnte es liegen? Was lässt sich verändern?
Auch Forschende wissen nicht alles. Das Unbekannte ist schließlich der Grund, warum sie forschen. „Du weißt, was du noch nicht weißt“, fasst eine Schülerin diese Erfahrung zusammen. Eine andere sagt: „Alles lädt dich dazu ein, neugierig zu sein.“
Begeisterung wirkt in beide Richtungen
Die Jugendlichen erleben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht als unnahbare Fachleute, die auf alles eine Antwort haben. Sie treffen Menschen, die selbst neugierig sind und sich für ihre Forschung begeistern.
Möglich machen das zahlreiche Beschäftigte des COS. Sie bereiten Experimente vor, begleiten die Jugendlichen und geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Dabei wirkt die Begegnung in beide Richtungen: Die Fragen und der unverstellte Blick der Jugendlichen lassen manches wieder spannend erscheinen, was im Forschungsalltag längst selbstverständlich geworden ist.
„Hier wird die Neugier gefüttert“, sagt ein Schüler nach dem Explorer Day. Treffender lässt sich das Ziel kaum beschreiben. Nicht jede Begegnung mit Wissenschaft führt gleich zu einem Studium oder Berufswunsch. Entscheidend ist zunächst etwas anderes: die Lust, weiter zu fragen.
Text: Nadja Rossner und Eva Hasel de Carvalho
Mehr zum Projekt unter:
https://www.cos.uni-heidelberg.de/de/sparkcos
https://www.cos.uni-heidelberg.de/de/sparkcos/sparkcos-explorer-day
https://www.cos.uni-heidelberg.de/de/sparkcos/sparkcos-practical
Kontakt:
Nadja Rossner
Projektkoordinatorin Wissenschaftskommunikation SPARK@COS
Centre for Organismal Studies (COS)
Universität Heidelberg
Tel.: 06221 54 6476