Im Kampf um Aufmerksamkeit wird die Komplexität unserer Welt vielfach vereinfacht oder zerstreut –häufig sogar beides. Wie kann es dennoch gelingen, ein belastbares und zugleich differenziertes Bild unserer komplexen Realität zu vermitteln? Diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation.
Die im Wintersemester 2018/2019 eingerichtete Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation ist eine gemeinsame Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung und der Ruperto Carola. Hier werden ausgewiesene Expertinnen und Experten an die Universität Heidelberg eingeladen, um in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten zu vermitteln, was eine qualitativ hochwertige Berichterstattung über wissenschaftliche Arbeit und wissenschaftliche Erkenntnisse ausmacht. Zugleich sollen sie eine breit angelegte Diskussion über neue Formen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anstoßen.
Der öffentliche Vortrag des aktuellen Gastprofessors Leonid A. Klimov ist am Dienstag, 16. Juni, um 19 Uhr im Marsilius-Kolleg, Im Neuenheimer Feld 130.1, in Heidelberg. In seinem Vortrag spricht der Wissenschaftsredakteur und Formatentwickler Leonid A. Klimov über Medienarbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus, über Komplexität und über eine ihrer Eigenschaften, die Medienschaffende, Forschende und Leserschaft verbinden kann: kognitive Freude.
„Komplexität hat einen schlechten Ruf: Komplexe Sachverhalte sind schwer greifbar, und ihre Lösungen liegen nicht auf der Hand“, sagt Leonid A. Klimov. Dabei gehe es nicht nur um Populismus mit seinen simplen Narrativen oder um gezielte Desinformation. Vielmehr deute vieles darauf hin, dass die etablierten Mechanismen des Wissenstransfers allein nicht mehr in der Lage sind, die Komplexität unserer Welt zu vermitteln. In seinem Vortrag „Freude an der Komplexität. Warum wir die Wissenschaftskommunikation (radikal) neu denken müssen“ wird Leonid A. Klimov erläutern, wie die Vermittlung wissenschaftsbezogener Themen mehr sein kann als „die Allgemeinheit in geeigneter Form über wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren“.
Leonid A. Klimov arbeitet als Redakteur und Produzent von Medienprojekten an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus. Nach Studium und Promotion in Kultur- und Literaturwissenschaft in Sankt Petersburg absolvierte er ein weiteres Masterstudium in Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. Seit 2015 ist er Redakteur beim Online-Magazin dekoder.org. Dort konzipiert und produziert er in Kooperation mit Forschungsinstituten komplexe multimediale Formate (Grimme Online Award 2021, Nominierung 2024). Zudem war er Fellow an der Hamburg Media School (Journalism Innovators Program) sowie am MediaLab Bayern (Future of News) und lehrte Wissenschaftskommunikation an Universitäten in Berlin, Basel und St. Gallen.