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Heidelberg.
30. Juli 2026

An der Schnittstelle von Medizin und Gesellschaft

Die Ärztin und Journalistin Olga Herschel im Alumni-Portrait der Klaus Tschira Stiftung.

In einer Alumni-Portraitreihe stellt die Klaus Tschira Stiftung junge Menschen vor, die sie auf ihrem Weg begleiten durfte und die mittlerweile wichtige Impulse in Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft setzen. Heute: Olga Herschel, promovierte Ärztin und Journalistin. Sie widmet sich der Frage, wie es gelingen kann, komplexe Themen aus Medizin und Wissenschaft so zu erzählen, dass sie viele Menschen erreichen?

Olga Herschel ist Tiefgang-Talent 2022 der Deutschen Journalistenschule in München. Mit dem Förderprogramm unterstützt die Klaus Tschira Stiftung Journalistinnen und Journalisten dabei, sich intensiv mit wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und diese verständlich für ein breites Publikum aufzubereiten.

Nach ihrer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule berichtet sie als freie Autorin für Print, Online, Radio und kreiert Podcasts über Themen an der Schnittstelle von Medizin und Gesellschaft sowie Gesundheitspolitik und -wirtschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen unter anderem DIE ZEIT, DER SPIEGEL, Deutschlandradio und die Produktionsfirma UNDONE. 2025 wurde sie für den „Deutschen Reporter:innenpreis“ in der Kategorie „Bester Podcast“ nominiert und in die Top 10 des Wissenschaftsjournalismus im Jahr 2025 im Medium Magazin gewählt.

Im Gespräch gibt Olga Herschel Einblicke in ihren Werdegang, die Themen, die sie in ihrer journalistischen Arbeit beschäftigen, und die Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg geprägt haben.

Wie würdest du deine Arbeit einem Kind erklären?

Als Journalistin ist es meine Aufgabe, gute Geschichten zu finden und sie so zu erzählen, dass man mir immer weiter zuhören will, zum Beispiel im Radio. Sehr Schwieriges muss ich dabei sehr einfach klingen lassen – sonst schalten die Leute schnell ab.

Was verbindet dich mit der Klaus Tschira Stiftung?

Die unvergesslichen Monate und Menschen während meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule, weil die Klaus Tschira Stiftung mir sie mit einem Stipendium ermöglicht hat. Tatsächlich aber auch das nicht so user-freundliche SAP-Interface in deutschen Krankenhäusern.

Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich nach dem Schulabschluss geben?

Probiere Berufe wirklich aus! Mach‘ längere Praktika! Nimm dir wenigstens ein Jahr Zeit, bevor du dich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheidest. Vieles klingt toll, ist aber am Ende nur ein öder Bürojob, anderes nicht so erfüllend, wie du denkst.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir derzeit aus?

Aufstehen, Kaffee machen, Brote schmieren, Kinder zur Schule verabschieden, Kaffee endlich trinken, kurz den Rest des Tages mit meinem Mann planen und dann… viele Stunden Schreibtisch & PC, Telefonate, Interviews, Besprechungen mit Kolleginnen und Kollegen. Am Nachmittag das Gleiche wie am Morgen nur rückwärts abgespult: Kinder begrüßen, Kaffee kochen, Abendessen planen… und vielleicht noch ein bisschen Sport. Neuerdings schalte ich mein Handy aus, wenn ich mir sicher bin, dass nichts Wichtiges mehr passiert. Seitdem ist abends viel mehr Zeit zum Lesen. Die nutze ich vor allem für Bücher – nach einem Tag voll mit Recherche habe ich oft das Gefühl, genug Informationen bekommen zu haben. An Büchern schätze ich, dass sie mich in ganz andere (Gefühls-)Welten entführen.

Wenn man dich an einem freien Sonntag suchen würde: wo würde man dich wahrscheinlich finden?

Zuerst bei einem ausgiebigem Sonntagsfrühstück mit meiner Familie und danach im „Sunday Heroes“ Kurs in einem HYROX-Studio in Berlin-Kreuzberg. (Ein ziemlich intensives Kraft- und Cardiotraining, nachdem man sehr stolz ist, es durchgezogen zu haben).

Gab es einen Menschen, einen Moment oder einen Impuls, der dein Interesse für Wissenschaft oder deinen heutigen Weg geprägt hat?

Als Teenager habe ich angefangen, das Magazin GEO zu lesen und ich erinnere mich an eine der ersten Leseerfahrungen. „Was es nicht alles gibt, auf dieser Welt!?“, dachte ich. Kulturen, Sprachen, Tierarten, Landschaften… von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Es gibt so viel zu lernen und zu entdecken! Da kam vermutlich alles zusammen, was mich bis heute begeistert und antreibt: eine unbändige Neugier auf das Leben. Vermutlich ist GEO schuld, dass ich erst Medizin studiert habe und dann doch Journalistin geworden bin.

Bearbeitet von: Merit Bieneck (Merit.Bieneck@klaus-tschira-stiftung.de)