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Heidelberg.
20. August 2026

Wenn Künstliche Intelligenz lernt, verlässlich zu werden

Im Porträt: Letiția Pârcălăbescu, Alumna und KlarText-Preisträgerin der Klaus Tschira Stiftung, erforscht, wie Künstliche Intelligenz nachvollziehbarer und vertrauenswürdiger werden kann.

In ihren Alumni-Porträts stellt die Klaus Tschira Stiftung von ihr geförderte Menschen vor, die wichtige Impulse in Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft setzen. Heute: Wie können wir erkennen, wann Künstliche Intelligenz eine Antwort wirklich weiß und wann sie nur überzeugend klingt? Dieser Frage widmet sich Dr. Letiția Pârcălăbescu.

Letiția Pârcălăbescu ist KI-Forscherin bei Aleph Alpha Research. Sie studierte Physik und Angewandte Informatik an der Universität Heidelberg und promovierte dort im Fach Computerlinguistik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit multimodalen Modellen, Sprachmodellen und vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz. Ihr Ziel ist es, KI-Systeme zu entwickeln, deren Entscheidungen besser nachvollziehbar, erklärbar und überprüfbar sind. Neben ihrer Forschung engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation. Auf ihrem YouTube-Kanal „AI Coffee Break with Letitia“ erklärt sie aktuelle Entwicklungen der KI-Forschung für ein breites Publikum.

Dr. Letiția Pârcălăbescu ist KlarText-Preisträgerin 2025. Mit dem KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation zeichnet die Klaus Tschira Stiftung junge Forschende aus, die ihre Promotion besonders verständlich und anschaulich für ein nichtwissenschaftliches Publikum erklären können. Die prämierten Beiträge machen komplexe Forschung für die Gesellschaft zugänglich und fördern den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Im Gespräch gibt Letiția Pârcălăbescu Einblicke in ihren Werdegang, die Themen, die sie in ihrer Forschung beschäftigen, und die Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg geprägt haben.

Wie würdest du deine Forschung/Arbeit einem Kind erklären?
Ich beschäftige mich mit Künstlicher Intelligenz, also mit Computerprogrammen, die Texte, Bilder und Sprache verstehen und erzeugen können. KI verhält sich momentan ein bisschen, als hätte jemand extrem viele Bücher gelesen, war aber selbst kaum draußen in der Welt unterwegs. Mich interessiert besonders: Wie können wir die Fälle erkennen, in denen KI die Antwort eigentlich nicht weiß, sondern nur überzeugend rät – gerade in Situationen, in denen wir die Antwort selbst nicht kennen, sonst hätten wir die KI ja gar nicht gefragt. Und wie können wir KI so bauen, dass sie nicht nur beeindruckend klingt, sondern auch wirklich verlässlich ist?

Was verbindet dich mit der Klaus Tschira Stiftung?
Die Verbindung mit der Klaus Tschira Stiftung begann eigentlich mit einem Zufall. Ganz am Anfang meiner Promotion lag bei meinen zukünftigen Schwiegereltern eine Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft mit KlarText-Beiträgen der Klaus Tschira Stiftung auf dem Küchentisch. Mein Freund und ich hatten beide gerade unsere Promotion begonnen, und es fiel der Satz: „Vielleicht macht ihr da in ein paar Jahren auch mal mit.“ Damals wirkte das nicht weit weg, und blieb irgendwie in meinem Hinterkopf.

Später bin ich über das ebenfalls von der Klaus Tschira Stiftung organisierte Heidelberg Laureate Forum (HLF) wieder mit der Stiftung in Berührung gekommen. Das HLF war für mich eine unglaublich inspirierende Erfahrung [1], wahrscheinlich die beeindruckendste Konferenz, auf der ich bisher war. Dort habe ich im Austausch mit Laureates und Young Researchers noch stärker gemerkt, wie wichtig gute Wissenschaftskommunikation ist. Forschung bekommt oft erst dann Unterstützung – sei es durch Funding, Job Beförderungen, oder Einladungen zu Vorträgen – wenn Menschen verstehen, woran man arbeitet und warum sie relevant ist. Deshalb habe ich dann beim KlarText-Preis im Bereich Informatik teilgenommen und zum Glück gewonnen. [1] https://dl.acm.org/doi/fullHtml/10.1145/3703396

Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich nach dem Schulabschluss geben?
Ich würde meinem jüngeren Ich sagen: Sag nicht sofort nein zu Dingen, nur weil sie dir Angst machen. Nach dem Schulabschluss hätte ich mir zum Beispiel niemals vorstellen können, einmal Public Speaking zu machen, einen YouTube-Kanal zu haben oder vor zehntausenden Menschen über KI zu sprechen – ich bin eigentlich eher schüchtern. Vieles ist einfach Übungssache. Wachstum passiert oft erst außerhalb der eigenen Comfort Zone. Ich glaube, ich hätte früher verstehen können, dass man sich manchmal bewusst in unangenehme Situationen bringen muss, um an ihnen zu wachsen. Oft merkt man erst, dass man etwas kann oder sogar liebt, nachdem man es ausprobiert hat.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir derzeit aus?
Mein Alltag ist meistens eine Mischung aus Forschung, Programmieren und vielen Gesprächen. Morgens denke ich über neue Ideen nach, diskutiere sie mit Kolleginnen und Kollegen oder betreue andere in ihrer eigenen Forschung. Nachmittags kommt viel Hands-on-Arbeit dazu: Modelle trainieren, testen, Training „babysitten“, debuggen und Dinge irgendwie zum Laufen bringen. KI-Forschung klingt oft sehr abstrakt, besteht im Alltag aber erstaunlich häufig daraus, herauszufinden, warum gerade irgendwo etwas kaputt ist.

Wenn man dich an einem freien Sonntag suchen würde: Wo würde man dich wahrscheinlich finden?
Wahrscheinlich halb arbeitend am Computer – Programme fixen, Trainings „babysitten“ und noch schnell irgendeinen Bug lösen, den ich eigentlich erst am Montag anschauen wollte – nicht, weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht. Zwischendurch arbeite ich vielleicht noch an meinem nächsten YouTube-Video oder an neuen Ideen für den Kanal. Aber hoffentlich findet man mich irgendwann am Abend auch beim Salsa-Tanzen oder auf einem Abendspaziergang, damit der Sonntag nicht komplett vor dem Bildschirm endet.

Gab es einen Menschen, einen Moment oder einen Impuls, der dein Interesse für Wissenschaft oder deinen heutigen Weg geprägt hat?

Einen einzelnen Moment gab es eher nicht. Schon seit der Schule hat es mir Spaß gemacht, anderen Dinge zu erklären – ich erinnere mich noch seit der vierten Klasse daran, wie ich Mitschülerinnen und Mitschülern Sachen erklärt habe. Ich fand es immer toll, wenn plötzlich der Moment kam, in dem jemand wirklich verstanden hat, worum es geht.

Für meinen Weg in die Forschung war eher eine Kombination aus guten und schlechten Erfahrungen prägend. Schlechte Erfahrungen können Selbstvertrauen ziemlich kaputt machen, und ich glaube, Selbstvertrauen ist extrem wichtig – nicht, weil dann alles leichter wird, sondern weil man Dinge überhaupt erst versucht. Forschung funktioniert selten als Erfolg beim ersten Versuch. Man muss sich nicht zu schnell entmutigen lassen, sondern an sich selbst glauben und dranbleiben. Weil Selbstvertrauen und „dranbleiben“ so wichtig sind, zwei Anekdoten darüber:

Selbstvertrauen: Sehr geprägt hat mich eine Begegnung mit der Informatikerin Prof. Lenore Blum beim Heidelberg Laureate Forum. Ich hatte ihr gesagt, wie beeindruckend es für mich war, sie kennenzulernen, und sie antwortete mit Nachdruck: „No, it was so great meeting YOU!“ Diese kleine Betonung hat plötzlich die Hierarchie aufgelöst, die ich in meinem Kopf aufgebaut hatte, und mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben.

„Dran bleiben“ an meinem YouTube-Kanal: Ich dachte am Anfang naiv: Ich lade jetzt ein Video hoch, gehe schlafen und wache berühmt auf. In Wirklichkeit entsteht Wachstum meistens dadurch, dass man konsistent weitermacht und Themen erklärt, nach denen Leute suchen. Viele gute Dinge entstehen erst, wenn man sich erlaubt, lange genug Anfängerin zu sein.

Bearbeitet von: Merit Bieneck (Merit.Bieneck@klaus-tschira-stiftung.de)