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15. Juli 2026

Wie kommen Menschen beim Klimaschutz ins Tun?

Klaus Tschira Stiftung fördert ein Projekt der Psychologin und Gesundheitskommunikatorin Professorin Cornelia Betsch.

Wie kommen Menschen beim Klimaschutz vom Wissen und Fühlen ins Handeln? Dieser Frage geht PACE (Planetary Health Action Survey) nach. Seit 2022 untersucht das von der Klaus Tschira Stiftung geförderte Projekt unter der Leitung der Professorin für Gesundheitskommunikation Cornelia Betsch die psychologischen Faktoren hinter einem der drängendsten Probleme unserer Zeit.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bereit Menschen sind, sich privat und politisch für den Klimaschutz einzusetzen. An dem Projekt arbeiten Forschende des Bernhard Nocht Instituts für Tropenmedizin, des Institute for Planetary Health Behaviour der Universität Erfurt sowie weitere Partner wie das Science Media Center Germany zusammen.

Die Erkenntnisse sollen Entscheiderinnen und Entscheider dabei unterstützen, Klimaschutz wirksamer zu gestalten und besser zu kommunizieren. Dafür befragt das Forschungsteam um Cornelia Betsch in regelmäßigen Abständen online 1000 Erwachsene in Deutschland zu Wissen, Risikowahrnehmung, Vertrauen, Einstellungen und Verhalten. „Wir möchten besser verstehen, welche Faktoren Einstellungen und Handlungsbereitschaft beeinflussen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Menschen unterschätzen ihr eigenes Risiko

Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen ihr persönliches Risiko durch den Klimawandel falsch einschätzen. Rund 80 Prozent der Befragten der Erhebungswelle gehören bei Hitze zu einer Risikogruppe, knapp 60 Prozent von ihnen wissen das aber nicht. Dieses Bewusstsein wäre jedoch wichtig, um sich selbst wirksam zu schützen.

Grundsätzlich stehen die meisten Befragten dem Klimaschutz positiv gegenüber und sind sich der globalen Gefahren bewusst. Zwei Drittel schätzen die Kosten der Folgen des Klimawandels höher ein als die Kosten des Klimaschutzes. Zudem wünschen sich rund 39 Prozent mehr Klimaschutz, als sie bei der von ihnen bevorzugten Partei in der Sonntagsfrage wahrnehmen.

Anders als während der Corona Pandemie, die Betsch und ihr Team ebenfalls untersucht haben, bleiben Handlungsbereitschaft sowie Zustimmung oder Ablehnung zum Klimaschutz über längere Zeit erstaunlich stabil. „Diese Stabilität ist trügerisch“, sagt Betsch. „Die Bevölkerung will grundsätzlich mehr Klimaschutz, traut der Politik aber immer weniger zu.“ Das Vertrauen in das staatliche Klimahandeln liegt mit rund 16 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen.

Frustration bremst das Handeln

Wenn selbst Fachleute das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung als unzureichend bewerten, verlagert sich die wahrgenommene Verantwortung ins Private. Dort, so vermutet Betsch, „kommt den Menschen das Leben mit all seinen kleinen und großen Krisen dazwischen. Am Ende werden sie oft doch nicht aktiv.“

Diese Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach mehr Klimaschutz und tatsächlichem Handeln zeigt sich auch in der PACE Studie. 25 Prozent der Befragten geben an, sie würden die Bundesregierung im Rahmen der Zukunftsklage (https://zukunftsklage.greenpeace.de/) wegen unzureichenden Klimaschutzes verklagen wollen. Tatsächlich tun dies am Ende nur knapp drei Prozent.

Kira Maur, Doktorandin im PACE Projekt, untersucht mögliche Gründe dafür. Einer davon ist die eigene zukünftige Betroffenheit durch harte Klimaschutzmaßnahmen. Wenn Befragte sich damit auseinandersetzen, klagen sie eher mit. Daraus ergibt sich eine entscheidende Frage: Was bringt Menschen schon heute zum Handeln, auch wenn die Folgen des Klimawandels für viele heute noch nicht so spürbar sind?

Wie lassen sich Menschen für Klimaschutz gewinnen?

Im Auftrag des Rats für Nachhaltige Entwicklung hat Betschs Team ein Policy Paper mit Empfehlungen erarbeitet. Es zeigt, wie sich Mehrheiten für Klima und Nachhaltigkeitspolitik gewinnen lassen.

Die wichtigste Erkenntnis: Gute Kommunikation allein reicht nicht aus. Dennoch gibt es Grund für Optimismus. Wenn Politik fünf grundlegende Prinzipien berücksichtigt, steigen die Chancen auf breite Zustimmung und eine erfolgreiche Umsetzung.

Das Papier bündelt Erkenntnisse aus der Verhaltens- und Sozialforschung sowie aus der PACE Studie und leitet daraus fünf Prinzipien ab:

  • Wirksamkeit: Die Wirkung der politischen Maßnahmen muss für die Öffentlichkeit erkennbar sein.
  • Fairness: Kosten, Nutzen und Verantwortung sollten gerecht verteilt werden.
  • Einfachheit: Klimaschutz muss im Alltag leicht umzusetzen sein.
  • Individueller Nutzen: Sichtbare persönliche Vorteile bei möglichst geringen Kosten erhöhen die Akzeptanz.
  • Gemeinwohl: Menschen akzeptieren persönliche Belastungen eher, wenn der Nutzen für die Gesellschaft deutlich wird, etwa durch sauberere Luft, bessere Gesundheit, eine bessere Infrastruktur oder einen attraktiveren öffentlichen Nahverkehr.

Autorin: Kirsten Baumbusch (kirsten.baumbusch@klaus-tschira-stiftung.de)

Hintergrund: Betsch, C., Tiede, K., & Janssen, J. (2026). Fünf Prinzipien für die Gestaltung und Kommunikation nachhaltiger Politik. Klimafakten.de. https://doi.org/10.23668/psycharchives.21599

Beteiligt sind: Cornelia Betsch, Kevin Tiede, Mattis Geiger, Kira Maur, Lisa Marie Hempel, Sarah Pelull, Hellen Temme, Sarah Eitze, Lars Korn (Uni Erfurt und BNITM Hamburg) sowie Philipp Sprengholz & Lena Lehrer (Uni Bamberg)

PACE ist ein Projekt am Institute for Planetary Health Behaviour der Universität Erfurt und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin unter Beteiligung der Universität Bamberg, des Robert Koch-Instituts, der Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, des Leibniz-Instituts für Psychologie und des Science Media Centers. Aktuell wird PACE finanziert durch Zuwendungen der Klaus Tschira Stiftung sowie aus Eigenmitteln der beteiligten Partnerorganisationen. In der Vergangenheit wurde das Projekt vom Bundessministerium für Gesundheit (via Robert Koch-Institut und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) finanziert.

PACE Studie:

Webseite: www.pace-studie.de

E-Mail: pace@bnitm.de