Heidelberg, 21. Mai 2026. Wenn die Sonne brennt, werden offene Plätze zu Hitzeinseln. Fußgänger wechseln dann auf die schattige Straßenseite – oder nehmen gleich den Weg durch den Park. Das HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology) hat eine Routing-Anwendung entwickelt, die genau solche Strecken berechnet: Sie schlägt möglichst schattige Wegführungen vor – samt Weglänge und Gehzeit. Oft entspricht die Empfehlung genau der Route, die Menschen intuitiv wählen würden.
Grundlage der Berechnungen sind hochaufgelöste Schattendaten. Die Anwendung steht ab sofort für 80 deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern zur Verfügung. HeiGIT sucht zudem gezielt den Austausch mit Städten und Kommunen, die ihre Daten ergänzen oder die Plattform gemeinsam weiterentwickeln möchten.
Die letzten drei Jahre waren die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Klimaanpassung ist damit keine Zukunftsaufgabe mehr, sondern eine gegenwärtige Herausforderung für jeden einzelnen, aber auch für Städte und Kommunen. Viele Städte arbeiten bereits an Anpassungsstrategien, doch Hitze beeinflusst die Mobilität auf eine Weise, die Planenden oft verborgen bleibt: Welche Wege werden gemieden, weil sie durchgehend der Sonne ausgesetzt sind? Hitzemeidendes Routing macht das sichtbar und gibt Stadtverwaltungen ein Instrument an die Hand, um zu erkennen, wo Hitzestress am stärksten ist und ob alternative Wege überhaupt zur Verfügung stehen.
„Was als Forschungsfrage in Heidelberg begann, ist heute eine einsatzfähige, deutschlandweite Anwendung für hitzemeidendes Routing. Wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit Städten weiterzuentwickeln und eine klimaangepasste Mobilität aufzubauen, die auf den Daten und Bedürfnissen der jeweiligen Stadt basiert“, sagt Julian Psotta, Projektmanager für technische Innovationen am HeiGIT.
HeiGIT möchte diese Arbeit durch eine direkte Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen vertiefen und die Anwendung zu einer Lösung ausbauen, die den individuellen Anforderungen noch gerechter wird. Städte, die bereits über Sensor- oder Temperaturdaten verfügen, können diese in die Plattform integrieren lassen. So entsteht ein Routing, das nicht nur Schattenverhältnisse, sondern auch die lokale Klimastruktur abbildet. Städte ohne eigene Daten können einen gleichwertigen Beitrag leisten, indem sie definieren, was sie benötigen, und so die Weiterentwicklung der Anwendung mitbestimmen. Es gibt keinen festgelegten Einstiegspunkt und die Zusammenarbeit beginnt dort, wo eine Stadt geradesteht.
Das hitzemeidende Routing hat seinen Ursprung in Heidelberg. Dort erarbeitete das Forschungsprojekt HEAL die Grundlage und die erste Version der Anwendung, in enger Zusammenarbeit mit der Heidelberger Stadtverwaltung und unter aktiver Einbeziehung vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Die erste Version nutzte Sensordaten für lokale Klimainformationen. Später wurde auf ein besser skalierbares Schattenmodellierungsverfahren umgestellt. Dieses wurde anschließend auf die Partnerstädte Worms, Walldorf und Neckargemünd ausgeweitet und bewies damit seine Übertragbarkeit auf unterschiedliche städtische Kontexte und Datenverfügbarkeiten. Die aktuelle Version skaliert diesen Ansatz auf 80 deutsche Großstädte in allen 16 Bundesländern.
Ziel von HeiGIT ist es, die Folgen urbaner Hitze im Alltag sichtbar und beherrschbar zu machen. Hitzemeidendes Routing unterstützt Kommunen dabei, Hitzerisiken zu verstehen und gezielt darauf zu reagieren.
Städte und Kommunen, die sich beteiligen möchten, melden sich bitte unter info@heigit.org
Ansprechpartner:innen HeiGIT:
Prof. Dr. Alexander Zipf (Wissenschaftlicher Leiter HeiGIT)
E-Mail: Alexander.Zipf@heigit.org
Lisa Shkredova (Kommunikation HeiGIT)
E-Mail: lisa.shkredova@heigit.org
Julian Psotta (Ansprechpartner für Hitzemeidendes Routing/HeiGIT)
E-Mail: Julian.Psotta@heigit.org