Deutschland wirbt international um exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Entscheidend ist dabei nicht nur, Forschende zu gewinnen, sondern auch, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie langfristig im System bleiben. Gerade in den Jahren nach der Promotion entscheidet sich, ob aus internationaler Rekrutierung nachhaltige Bindung wird.
Einblicke aus dem Klaus Tschira Boost Fund zeigen, wie eng Internationalisierung, Exzellenz und Retention (das heißt die Bindung wertvoller Kräfte) in dieser Phase zusammenhängen. Der Klaus Tschira Boost Fund ist ein gemeinsames Förderprogramm der Klaus Tschira Stiftung und von Guidance, Skills & Opportunities for Researchers e.V. (GSO) für Postdocs und frühe Gruppenleitungen in Deutschland, das unabhängige Forschungsvorhaben und Karriereentwicklung verbindet.
15 Forschende aus 300 Bewerbungen ausgewählt
In der aktuellen Förderrunde wurden 15 Forschende aus mehr als 300 Bewerbungen ausgewählt. Sie arbeiten an Universitäten und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland – von der Frage, ob dunkle Materie komplexer ist als bislang angenommen, über die Ursprünge menschlicher Sprache in der frühen Gehirnentwicklung bis hin zu neuen Erkenntnissen darüber, warum das Gehirn von Frauen anders altert und wie sich kognitive Gesundheit langfristig schützen lässt.
Von den 15 neu ausgewählten Fellows des 7. Förderjahrgangs arbeiten neun internationale Forschende in Deutschland, weitere haben hochmobile Karriereverläufe, die für diese Karrierephase typisch sind. Ein Blick auf die bisherigen Jahrgänge zeigt: Der Großteil der Geförderten hat langfristige Positionen im Wissenschaftssystem erreicht, viele davon in Deutschland, während andere ihre Laufbahn international fortsetzen oder in andere Sektoren wechseln.
Mit über 300 Bewerbungen auf 15 Plätze gehört der Klaus Tschira Boost Fund wieder zu den kompetitivsten Programmen für Postdocs und frühe Gruppenleitungen. In den Bewerbungen wird ein strukturelles Muster sichtbar: der hohe Bedarf an eigenen Mitteln, insbesondere für Personal, um unabhängige Forschung und eigene Ideen umzusetzen.
Ein eigenständiges Profil erfordert die Möglichkeit, eigene Ideen zu verfolgen
Viele Postdocs arbeiten in bestehenden Projekten jedoch mit begrenztem Spielraum für eigene Ansätze. Ein eigenständiges Profil erfordert Zeit, Ressourcen und die Möglichkeit, eigene Ideen zu verfolgen – auch jenseits etablierter Förderlogiken.
Der Klaus Tschira Boost Fund setzt hier an: Gefördert werden eigenständige, interdisziplinäre und auch riskante Projekte. Die Mittel können flexibel eingesetzt werden, etwa für Personal, internationale Kooperationen oder Workshops, und lassen sich an Forschungsprozesse anpassen, die nicht vollständig planbar sind. Gleichzeitig erreicht das Programm auch Forschende, für die klassische Förderformate oft nicht mehr zugänglich sind, etwa aufgrund weniger linearer Karrierewege.
„Wir können nicht einfach mehr Stellen im System schaffen. Aber wir können die strukturellen Bedingungen verbessern und durch gezielte Karriereentwicklung dazu beitragen, dass exzellente Forschende mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Chancen auf langfristige Positionen erhöhen.“, sagt Dr. Anne Schreiter, Geschäftsführerin von Guidance, Skills & Opportunities for Researchers e.V.
Retention ist damit nicht nur eine Frage individueller Leistung, sondern auch eine der vorhandenen Strukturen. Programme wie der Klaus Tschira Boost Fund zeigen, wie gezielte Freiräume in frühen Karrierephasen dazu beitragen können, wissenschaftliche Profile zu entwickeln und Perspektiven im System zu eröffnen.
Eine Übersicht aller Fellows und Projekte der aktuellen Förderrunde gibt es unter:
https://gsonet.org/foerderprogramme/klaus-tschira-boost-fund/