3. Mai 2021

Wenn Amphibien Hochzeit halten, droht Lebensgefahr

Am Schloss-Wolfsbrunnenweg helfen fleißige Hände des Naturschutzbundes, damit Kröte, Salamander und Molch es in die Teiche der Gärten schaffen

Heidelberg. In dunklen, feuchten Nächten des Frühjahrs, wenn bei der Klaus Tschira Stiftung in der Villa Bosch und im Gebäude des Heidelberger Instituts für Theoretische Studien (HITS) langsam Ruhe einkehrt und die Gärten im Dunkeln liegen, huschen kleine und große Menschen mit neongelben Leuchtwesten und Taschenlampen über den Schloss-Wolfsbrunnenweg. Was tun sie da? Ganz einfach. Sie retten Herrn und Frau Erdkröte, aber auch Salamander und Bergmolche, die auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern in eben diesen Gärten sind. Generation für Generation streben sie im Frühjahr aus Erdlöchern im Wald, über die Boschwiese und die Straße in den Teich, in dem sie geboren wurden. Und dabei begeben sie sich in Lebensgefahr.

Kleine Krötenretter am Schloss-Wolfsbrunnenweg helfen den Amphibien durch die Röhren in der Mauer. Copyright Fotos: Nicole Lill

Wenn da nicht die fleißigen Helferinnen und Helfer des Heidelberger Naturschutzbundes (Nabu) wären. Nicole Lill und Christel Pietsch organisierten und organisieren die Rettungsaktion am Schloss-Wolfsbrunnenweg, ebenso wie im Schlossgarten, auch in Pandemiezeiten und trugen so in dieser Saison dazu bei, dass fast 400 Erdkröten vor einem schlimmen Ende bewahrt wurden. Gefährlich werden ihnen bei ihrer Wanderung nicht nur Autoreifen, sondern auch die Druckverhältnisse, wenn ein Auto sie zwischen die beiden Räder nimmt: Es zerreißt sie förmlich. Mehr als 30 getötete Tiere waren dieses Jahr zu beklagen.

Vor allem die deutlich kleineren Männchen, die sich von den Weibchen huckepack nehmen und die letzten Meter tragen lassen, sind gefährdet. Nach ausgedehnter Winterstarre erwacht, pflegen sie eine schlechte Angewohnheit, erzählt Nicole Lill. „Um einen möglichst guten Überblick über das Terrain vor den Laichgewässern zu erhalten, setzen sie sich in beinahe suizidaler Manier gerne mitten auf die Straße und blicken erwartungsvoll in Richtung Wald, um möglichst umgehend eine Erdkrötendame zu finden“.

Das hätte schon manchen das Leben gekostet, wenn nicht das NABU-Team sie in Eimern gesammelt, über die Straße getragen und dann in die speziell dafür gebauten Mauerdurchlässe in die Gärten manövriert oder unter dem Tor durchgeschoben hätte. In den Teichen angekommen, haben sie nun reichlich Hochzeit gefeiert und Nachwuchs produziert. Damit der nicht komplett von Enten gefuttert wird, hat das Gartenteam der Villa Bosch Netze zum Schutz des Krötennachwuchses aufgespannt. Wenn der Kröten-Nachwuchs dann groß genug ist, verlässt er den Garten und wandert wieder hoch in den Wald.

Auch Feuersalamander werden am Schloss-Wolfsbrunnenweg gerettet. Copyright: Lill

Dieses Jahr war ein schwieriges Jahr für Amphibien. Im Schlossgarten, für dessen Amphibienschutz der NABU ebenfalls Verantwortung übernimmt, ist durch das Auf und Ab der Temperaturen mancher Bergmolch und mancher Salamander erfroren. Gut nur, dass durch eine Spende an die Naturschützer anlässlich des 20. Geburtstages der Klaus Tschira Stiftung vor fünf Jahren nicht nur Gitter über den amphibiengefährlichen Gullys im Schlossgarten angebracht, sondern auch Ausstiegstreppen aus den dortigen Teichen gebaut wurden. Jeder Nachwuchs zählt, denn die Zahl von Kröte und Co. geht auch in Heidelberg seit Jahren zurück.

Wer beim Amphibienschutz mitmachen möchte, kann sich hier melden: https://www.nabu-heidelberg.de/arbeitskreise/ak-amphibienwanderung/