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Mannheim/Heidelberg
31. März 2025

Tanzende Moleküle und glückliche Weizenähren

Klaus Tschira Stiftung fördert Animationsfilme im TECHNOSEUM und Carl Bosch Museum zur Ammoniaksynthese.

Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Haber-Bosch-Verfahren zur industriellen Herstellung von Ammoniak, dem Ausgangsstoff für Kunstdünger, veränderte die Welt und leistet bis heute einen wichtigen Beitrag zur Welternährung. 99 Prozent des weltweit hergestellten Ammoniaks wird heute nach diesem chemischen Verfahren hergestellt, das auch als Grundchemikalie für Haushaltsreiniger und Farben dient. Die Ammoniaksynthese ist ein mit zwei Nobelpreisen honorierter Meilenstein in der Technikgeschichte – und ein komplexer Prozess, der nicht auf Anhieb verständlich ist. Wie das Verfahren funktioniert und wie groß seine Bedeutung ist, darüber informieren vier neue Animationsfilme, die ab sofort im Mannheimer TECHNOSEUM und im Carl Bosch Museum in Heidelberg zu sehen sind. Humor und Verständlichkeit stehen bei den Filmen im Vordergrund: Moleküle tanzen um einen Katalysator in Gestalt einer Discokugel, und Weizenähren wachsen glücklich lächelnd dank Stickstoffzufuhr. Die Klaus Tschira Stiftung ermöglichte die Entwicklung der Filme.

Mit der Entwicklung der Ammoniaksynthese und deren großtechnischer Umsetzung legten Fritz Haber (1868-1934) und Carl Bosch (1874-1940) zwischen 1904 und 1913 die Grundlage dafür, in großem Stil Stickstoff für Kunstdünger aus der Luft zu gewinnen. Beide Forscher erhielten für ihren Beitrag unabhängig voneinander den Chemie-Nobelpreis, Haber 1918 als Erfinder, Bosch 1931 zusammen mit Friedrich Bergius für die großtechnische Realisierung des Verfahrens. „Die Filme zum Thema hat das TECHNOSEUM eigens konzipiert. Sie sind jeweils nur etwa zwei Minuten lang und bringen dennoch Hochkomplexes auf den Punkt – diese Herangehensweise, Wissen zu kommunizieren hat uns überzeugt“, begründet Lilian Knobel, Geschäftsführerin für Bildung und Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung, die Entscheidung für die Unterstützung. TECHNOSEUM-Direktor Prof. Dr. Andreas Gundelwein ergänzt: „Es gibt wohl wenige technikgeschichtliche Objekte, die das alltägliche Leben aller Menschen so stark beeinflusst haben. Gleichzeitig ist ein Ammoniakreaktor ein Objekt, das für Laien in hohem Maße erklärungsbedürftig ist, und dessen Funktion und Bedeutung sich nicht unmittelbar erschließen. Hier war ein besonderer Ansatz für die Vermittlung gefragt, den wir ohne die Hilfe der Klaus Tschira Stiftung nicht hätten umsetzen können“.

 

Mehr Aufmerksamkeit für Objekte im Außengelände
Bereits beim Bau des Mannheimer TECHNOSEUM wurde ein Ammoniakreaktor der BASF aus dem Jahr 1921 auf dem Außengelände des Museums aufgestellt. Besucherinnen und Besucher nahmen von dem zwölf Meter hohen historischen Exponat jedoch kaum Notiz, da es beim Gang durch die Ausstellungen eher schlecht zu sehen war und lediglich kleinere Schilder und eine Schautafel auf das Exponat hinwiesen. Am Carl Bosch Museum in Heidelberg wiederum sind Teile eines Reaktors sowie ein Abscheider und eine sogenannte Maulwurfpumpe direkt gegenüber vom Eingang im Freigelände zu sehen. Mit neu eingerichteten Medienstationen wird nun die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Großexponate gelenkt: „Unser Haus widmet sich Leben und Wirken des Chemikers Carl Bosch und richtet sich an alle Altersklassen. Der Herausforderung, Hochdrucktechnik und chemische Verfahren anschaulich und zeitgemäß zu erklären, stellen wir uns immer wieder aufs Neue. Die Animationsfilme sind hier eine wertvolle Ergänzung und Bereicherung“, freut sich Sabine König, Geschäftsführerin des Carl Bosch Museums.

 

Licht und Schatten technischer Entwicklungen
Dabei werden auch die Schattenseiten technischer Innovationen nicht ausgespart, wie Dr. Alexander Sigelen erklärt, der als Sammlungsleiter am TECHNOSEUM die Entwicklung der Filme federführend betreut hat: „In den Filmen thematisieren wir, dass die Ammoniaksynthese auch die Grundlage für die Herstellung von Sprengstoffen bildet, was schon im Ersten Weltkrieg zum Tragen kam, dass dieses chemische Verfahren für 1,4 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, und was passiert, wenn sich zu viel Stickstoff im Boden anreichert – die Erfindung von Haber und Bosch hatte also vielfältige Auswirkungen, die für uns heute hochaktuell sind.“ Die Kurzfilme sind im TECHNOSEUM auf den Ebene D und F zu sehen – direkt an der Fensterfront Richtung Norden und mit Blick auf den draußen stehenden Ammoniakreaktor. Außerdem ist geplant, die Filme auch auf der Homepage des Hauses zugänglich zu machen und sie bei Workshops für Schulklassen zu verwenden. Am Carl Bosch Museum kann man die Filme an der Fensterfront der Hochdruckwerkstatt mit Blick auf die sich im Außenbereich befindende Reaktoranlage ansehen.

Mehr Informationen gibt es unter www.technoseum.de.

 

TECHNOSEUM-Pressekontakt
Marit Teerling
Pressereferentin
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